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Neue Idee aus der Not geboren

Gestorben wird immer, heißt es im Volksmund. Doch das ist nicht gleichbedeutend mit einem guten Geschäft. Weder für Friedhofsverwaltungen noch für Bestatter. Denn das wachsende Kostenbewusstsein bekommt auch die Bestattungsbranche zu spüren. Immer mehr legen schon zu Lebzeiten fest, auf eine aufwändige Bestattung zu verzichten. Auch der Trend zur günstigeren anonymen Bestattung oder zur Beisetzung im Ruheforst hält an. Das Gewerbe sieht sich also gezwungen, neue Ideen zu entwickeln. Zum Beispiel: Rabatte auf Erdbestattungen.

06. November 2012
Rund 5.000 Euro kostet eine Bestattung in Deutschland im Schnitt. Das ist viel Geld, das die wenigsten sofort verfügbar haben. Auch von der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es keine finanzielle Unterstützung mehr. Das Sterbegeld wurde bereits im Jahr 2004 abgeschafft. Bleibt nur die private Vorsorge, um die Angehörigen im Todesfall zu entlasten. Entsprechende Verträge zur Bestattungsvorsorge und Sterbegeldversicherungen oder eigens dafür angelegte Sparkonten bieten sich dafür an. Wie sinnvoll die einzelnen Anlageformen wirklich sind, kommt auf die individuellen Bedürfnisse und finanziellen Möglichkeiten an. Weitere Infos dazu sind hier nachzulesen:


Gegensätzliche Tendenzen
Zwei gegensätzliche Tendenzen sind zu beobachten. Zum einen verzeichnen die Versicherer eine gleichbleibend hohe Anzahl von Vertragsabschlüssen in der privaten Vorsorge. Je nach vertraglich festgelegter Summe ist dann der Fantasie für eine würdige Bestattung keine Grenze gesetzt. Zum anderen passt sich die Ausgestaltung der Beisetzung den Lebensverhältnissen an: engster Familienkreis statt aufwändige Trauerfeier, Reihen- statt Einzelgrab, Fichten- statt Eichensarg.
Beiden gleich ist aber der Trend zur Feuerbestattung: Noch vor 40 Jahren waren rund 90 Prozent aller Bestattungen Erdbestattungen. Heute sind es nur noch ein Drittel. Zwei Drittel wählen mittlerweile die günstigere Feuerbestattung. Die ist die Voraussetzung für ein Urnengrab, eine See- oder Naturbestattung.

Anonyme Bestattungen sind Gebührentreiber
Wer noch mehr Geld sparen will, der lässt sich anonym beerdigen. Dabei werden die Urnen auf so genannten Grabfeldern beigesetzt. Die Friedhofsgebühren sind entsprechend geringer. Aus Sicht der Bestatter, Friedhofsverwaltungen, Steinmetze und Gärtnereien ist diese Form der Beisetzung aber kein lohnendes Geschäft. Das bestätigte auch die Bestatterinnung Saarland auf ihrer Tagung in Jahr 2011. Wer sich zu Lebzeiten dafür entscheidet, reduziert oftmals alles ein Minimum: günstigere Einäscherung im Ausland, kleine bis keine Trauerfeier, Beisetzung ohne Angehörige und der Verzicht auf eine spätere Grabpflege, da Grabfelder in der Regel nur gemäht werden müssen. Zudem wissen die Angehörigen meist nicht, wo genau der Verstorbene liegt. Das führt zu seltenen oder gleich gar keinen Besuchen mehr.
Langfristig sind die günstigeren Friedhofsgebühren aber auch trügerisch: Denn umso höher die Zahl der anonymen Bestattungen steigt, desto geringer sind auch die Einnahmen der Verwaltungen. Gleichbleibend hoch sind dagegen die Kosten für die Pflege und Instandhaltung der Friedhöfe. Kostendeckend ist das auf Dauer nicht. Ein Anstieg der Gebühren ist dann unvermeidbar.


Rabatte auf Bestattungen

Lösungen müssen her. Das dachte sich auch der Dülkener Bestatter Volker Diericks. Er bietet eine Gutschrift auf Beerdigungen an – außer auf anonyme. Damit wolle er den Trend stoppen, dass sich immer mehr Menschen in Viersen anonym beisetzen lassen. Die Onlineausgabe der Rheinischen Post berichtet, dass  Diericks mit 10 % Preisnachlass lockt, um dem Trend entgegenzuwirken. Noch rechne sich sein Angebot nicht und pro Bestattung zahle er mehr als 200 Euro aus eigener Tasche dazu. Aber er hofft, dass seine Mitbewerber seiner Initiative folgen und mitmachen. Laut RP-Online sei es ihm wichtig, dass jeder Mensch eine würdevolle Beerdigung bekommt und die Angehörigen einen festen Ort zur Trauer haben. Zitat: "70 Prozent derer, die jemanden anonym bestatten lassen, bereuen das später", sagt er. "Sie stehen vor einem Rasen, und wissen nicht, wo sie am Geburts- oder Todestag das Blümchen hinlegen sollen."

Kirche begrüßt Rabatte
Die Kirche begrüßt die Idee der Rabatte. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Zum einen nimmt die Verweisung der Friedhöfe durch alternative Bestattungsformen im Wald, auf Wiesen oder im Meer zu. Denn im Falle der Feuerbestattung ergeben sich Alternativen zum Friedhofszwang, der in Deutschland und Österreich immer noch klare Grenzen setzt. In der Schweiz dagegen wurde der Friedhofszwang zum Teil schon abgeschafft. Gegenüber RP-Onlinebe begrüßte Thomas Schlütter, Kaplan in Dülken, das Engagement zur Förderung der Erdbestattung. Er sei gegen die günstige und pflegeleichte anonyme Bestattung. Sie verhindere die Trauerarbeit und das Totengedenken an einem bestimmten Ort. Trauer werde ortlos, der Umgang mit den Toten nur zur Entsorgung der Leichen, so der Kaplan.
Zum anderen sinkt mit der Beisetzung außerhalb der Friedhofsmauern auch die Bindung der Menschen an die Kirche. Das bestätigt auch die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid). Der zufolge bezeichnen sich 37,6 % der Deutschen als konfessionslos. 1970 waren es in Westdeutschland lediglich 3,9 %.

Christian Zander, der Autor des Buches „Gestorben wird immer... Zur Geschichte der Sargschreiner und -tischler“, sprach auf der Südwestdeutschen Bestattertagung 2011 im Hofgut Imsbach in Theley von einer Gegenbewegung zur Anonymisierung und dem Verlust der Trauerkultur. Er nannte die Begriffe Bestattungsnetzwerke oder -WGs. Hier schlössen sich Interessengemeinschaften zusammen, um bestimmte Flächen auf Friedhöfen zu kaufen und so deren Mitgliedern ein Begräbnis ganz in deren Sinne zu gewährleisten.
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