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Der Ego-Trip als letzte Reise

Der Mensch ertrinkt förmlich heutzutage in einem Meer von Möglichkeiten. Alle Lebensbereiche sind inbegriffen. Auch der eigene Tod und die damit verbundene Vorsorge lassen sich immer differenzierter betrachten und letztlich auch gestalten. Das Testament beim Notar und die Vorsorgeversicherung beim Bestatter sind Klassiker, die Patientenverfügung im Aktenordner mittlerweile ein Muss. Dagegen erscheint die selbstgetöpferte Urne auf dem Kaminsims noch sehr gewöhnungsbedürftig.

25. November 2014
Früher war alles anders: Ein einziger Telefonanbieter, ein dutzend Automarken und Mode, die mindestens ein ganzes Jahrzehnt Bestand hatte. Die Zeiten sind - dem Himmel sei Dank - vorbei. Dafür haben wir die Qual der Wahl und die Freiheit, über vieles selbst zu bestimmen. Dazu zählt auch die eigene Bestattung. Denn, wer sein Leben selbst bestimmt hat, möchte mit dem Tod nicht die Verantwortung dafür abgeben. So kommt es, dass immer mehr Menschen das eigene Ableben individualisieren. Doolia.de hat an dieser Stelle bereits schon über die Möglichkeit berichtet, seinen Sarg selbst zu bauen Für den einen klingt das alles wie ein makaberer Witz, anderen ist es wiederum sehr ernst damit.

Was in der Schweiz und den Niederlanden schon selbstverständlich erscheint, kommt nun auch nach Deutschland: Der Urnen-Workshop. Hier wird nicht nur unter fachlicher Anleitung die eigene Urne getöpfert. Durch das Arbeiten und das Gespräch wird sich auch intensiv mit dem Tod auseinander gesetzt und im besten Fall die Angst davor verloren. Dabei sind die Teilnehmer nicht zwangsläufig alt oder sterbenskrank. Eher im Gegenteil. Hier wird sich das Ende des Lebens ganz bewusst gemacht und das "letzte eigene Hauses" geschaffen. Die Trauerbegleiterin und Keramikerin Christine Rindlisbacher bezeichnet diese Töpferarbeit gegenüber der Aargauer Zeitung aus der Schweiz als einen Dank ans Leben im Voraus.

Auch die Selfmade-Traueranzeige wird immer moderner. Sie wird in der Ich-Form geschrieben und beinhaltet nicht selten Formulieren wie z.B. "Ich musste leider sterben" oder "XY meldet sich ab". Dieses Vorgehen ist insofern verständlich, weil die Hinterbliebenen im Todesfall stressbedingt oftmals auf Standardsätze zurückgreifen, die selten die Persönlichkeit des Toten widerspiegeln. Um sich überhaupt den eigenen Vorstellungen entsprechend aus dem Leben zu verabschieden, kann man bereits im Diesseits das meiste planen: Vom Sarg über die komplette Trauerzeremonie mit Blumenschmuck, Gedichten, Musik und anschließendem Kaffeetrinken bis hin zum selbst verfassten Nachruf. Das könnte allerdings den Hinterbliebenen die Chance nehmen, für den Verstorbenen etwas ganz eigenes zu gestalten - nur ihm zu ehren. Aber so etwas kann passieren, in einer zunehmenden Ich-Gesellschaft.
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