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Sargindustrie will Trauerfeier am Sarg fördern

Die letzten Jahre waren keine guten Jahre für die Sargindustrie. Die Branche ist von der allgemeinen Konjunkturentwicklung weitgehend abgekoppelt. Einziger Indikator für die Nachfrage ist die Entwicklung der Sterbezahlen in Deutschland. Und diese bewegen sich in den letzten Jahren relativ stabil zwischen rund 840.000 und knapp 860.000 pro Jahr.

15. November 2012
Eine vergleichbare Entwicklung ist bei der inländischen Sargproduktion nicht festzustellen. Produzierten die Hersteller mit mindestens 20 Beschäftigten im Jahr 2008 insgesamt noch 180.000 Särge, so waren es 2011 lediglich noch 146.000 Stück. Dies entspricht einem Rückgang von 19 % über drei Jahre. Die bisherige Entwicklung in 2012 – im 1. Halbjahr gleichbleibend 75.000 Särge im Vergleich zum Vorjahr – lässt für das gesamte Jahr bestenfalls eine Stagnation der inländischen Sargproduktion erwarten. Die große Lücke zwischen der von der Statistik erfassten Inlandsproduktion und der Zahl der Verstorbenen wird durch die Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten, die in der offiziellen Statistik nicht erfasst werden, insbesondere aber durch die aus Osteuropa importierte Handelsware geschlossen.

Während Särge „made in Germany“ kein Exportschlager sind, werden seit Beginn der Neunzigerjahre zunehmend Särge aus osteuropäischer Produktion auf dem deutschen Markt angeboten. Mittlerweile stammen schätzungsweise mindestens 60 % der im Inland angebotenen Särge aus Osteuropa. Wichtige Lieferländer sind Polen, Slowenien, Tschechien, Bulgarien und Rumänien. Die Inlandsproduzenten haben seitdem Zug um Zug diese Handelsware in ihr Sortiment aufgenommen, da sie einfache Särge nicht mehr kostendeckend selbst produzieren können. Einige Betriebe haben sich inzwischen sogar komplett vom Hersteller zum Händler gewandelt.

Das Wettbewerbsumfeld für den gesamten Bestattungsbedarf – neben Särgen sind dies insbesondere Urnen und Bestattungswäsche – ist schwieriger geworden. Die gesellschaftlichen Veränderungen haben auch im Bestattungsmarkt zu spürbaren Veränderungen geführt. So ist die Zahl der Feuerbestattungen in den letzten 10 Jahren dramatisch angestiegen. Erstmals gab es 2011 bundesweit mehr Feuer- als Erdbestattungen. Und die Entwicklung macht mittlerweile auch vor dem ländlichen Raum nicht mehr Halt. Die Auswirkungen auf die deutsche Sargindustrie waren und sind gravierend. Der Trend zur Feuerbestattung hat dazu geführt, dass das stückzahlmäßig relevante Mittelklassesortiment der deutschen Sarghersteller und damit eine der tragenden Säulen der Inlandsproduktion nahezu komplett weggebrochen ist. Zwischen einfachen und höherwertigen Särgen klafft heute eine große Lücke. Der Strukturwandel in der Branche ist noch nicht abgeschlossen. Die Zahl der Inlandsproduzenten wird in den kommenden Jahren weiter rückläufig sein.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen hat der Verband der Deutschen Zulieferindustrie für das Bestattungsgewerbe (VDZB) e. V. vor kurzem die Broschüre „Abschied gestalten – Trauerfeier am Sarg“ veröffentlicht. Mit dieser Initiative soll die Trauerfeier am Sarg wieder stärker in das Bewusstsein der Hinterbliebenen gerückt und der Bestatter in der Umsetzung einer individuellen Trauerfeier nach den persönlichen Vorstellungen der Hinterbliebenen unterstützt werden. „Ziel der Initiative ist es, dass sich die Hinterbliebenen rechtzeitig mit dem Thema auseinandersetzen. Die vorliegende Broschüre liefert eine Hilfestellung für eine dem Verstorbenen angemessene, individuelle Trauerfeier“, so Siegfried von Lauvenberg, Geschäftsführer des VDZB. „Die Beisetzung ist die letzte Feierlichkeit für den Verstorbenen und im Nachhinein nicht mehr korrigierbar.“
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